Die internationalen Ölpreise gleichen aktuell einem Jojo: Nach einem kräftigen Kurssprung in der Nacht gaben die Notierungen bis zum Morgen sämtliche Gewinne wieder ab. Auslöser für die Turbulenzen waren neue US-Militärschläge gegen iranische Ziele und die prompten Vergeltungsaktionen Teherans. Da eine diplomatische Lösung in weiter Ferne liegt, wächst der Druck auf die Märkte. In Deutschland reagiert der Markt etwas träger auf die nächtlichen Sprünge, weshalb Heizöl am Vormittag zunächst teurer wird.
Geopolitische Spannungen vs. Markt-Gelassenheit
Der Rohölmarkt durchlebte zuletzt ein Wechselbad der Gefühle:
- Mittwoch: Die Nordseesorte Brent geriet tagsüber unter Druck, drehte nachmittags jedoch ins Plus. Auslöser war ein Post von US-Präsident Trump auf Truth Social, der ein härteres Vorgehen gegen den Iran ankündigte.
- Nacht zum Donnerstag: Das US-Zentralkommando Centcom setzte die Drohungen um und griff Ziele im Iran an. Teheran reagierte mit Gegenschlägen auf 18 US-Militärbasis in Bahrain und Kuwait sowie Drohnenangriffen auf die US-Flotte. Zudem erklärte der Iran die strategisch wichtige Straße von Hormus für gesperrt – was Washington allerdings umgehend dementierte.
- Donnerstagmorgen: Trotz der Eskalation beruhigten sich die Kurse schnell wieder und pendelten sich auf dem Niveau des Vortages ein. Ein Barrel Brent notiert aktuell bei 92,53 US-Dollar, die US-Sorte WTI bei rund 89,60 US-Dollar. Nach 103 Tagen Konflikt wägt der Markt inzwischen sehr genau ab, welche Nachrichten eine echte Neubewertung der Lage erfordern.
Knappes Angebot bleibt der Haupttreiber
Abseits der Schlagzeilen bereitet Analysten vor allem die fundamentale Angebotsseite Sorgen:
- Die US-Notfallreserven schrumpfen seit Monaten in besorgniserregendem Tempo.
- Die aktuellen Daten des US-Energieministeriums (DOE) bestätigen einen deutlichen Rückgang der Rohölvorräte – der weltweite Verbrauch übersteigt derzeit das Angebot.
- Spannung verspricht am Nachmittag zudem der neue OPEC-Monatsbericht.
